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Übungsfirmen in Österreich

Business as usual ?

Kaufmännische Ausbildung –nicht wenige Schüler/innen, aber auch viele Erwachsene im Rückblick auf ihre eigene Schulzeit – verbinden damit die Begriffe „langweilig“ „trocken“ und Ähnliches.
Dass es auch ganz anders geht, beweist die Übungsfirma: ein gelungenes Ausbildungsmodell, Lernort und Lernmethode in einem.

Die Übungsfirma ist das Modell eines realen Unternehmens und aus den österreichischen berufsbildenden Schulen nicht mehr wegzudenken: Vor ca. 15 Jahren wurde dieser Praxisteil der kaufmännischen Ausbildung für die berufsbildenden Schulen wiederentdeckt und bereits 1993/1994 als verpflichtender Unterricht in den Lehrplan der Handelsakademien und Handelsschulen eingeführt.

Heute ist die Übungsfirma in allen Arten der berufsbildenden Schulen in verschiedenen Ausformungen integriert: denn das Modell Übungsfirma erlaubt es, die Abläufe eines realen Wirtschaftsbetriebes mit unterschiedlichem Komplexitätsgrad nachzubilden und sie für Lernprozesse transparent zu machen.

Was ist eine Übungsfirma?

In einer Übungsfirma fallen alle der Praxis entsprechenden branchenspezifischen Geschäftsfälle an. Die damit verbundenen Arbeiten sind unter Berücksichtigung der kaufmännischen Usancen und der rechtlichen Voraussetzungen durchzuführen.

Allerdings sind Waren und Dienstleistungen sowie das für die Zahlung erforderliche Geld nicht real vorhanden. In unserer heutigen virtuellen Welt fällt das eigentlich gar nicht mehr auf.

Übungsfirmenunterricht im Betriebswirtschaftlichen Zentrum (BWZ)
Foto: ACT-Servicestelle (BWZ der Vienna Business School Mödling)

Ziel des Unterrichts in der Übungsfirma (meist ein halber Tag einmal in der Woche) ist die fächerübergreifende, handlungs- und problemorientierte Vermittlung des Wissens über innerbetriebliche Abläufe und der Zusammenhänge zwischen den Betrieben.
Vor allem die von den Geschäftspartnern ausgehenden Aktivitäten setzen bei den Schüler/innen Lernprozesse in Gang und bewirken ein hohes Maß an Motivation.

Hohe Praxisorientierung in der Ausbildung

Die Förderung des unternehmerischen Denkens, das Erkennen von Wirtschaftszusammenhängen, der Erwerb von Schlüsselqualifikationen und die Anwendung von Fremdsprachen sind – auf Basis der modernen Informationstechnologien – pädagogische Schwerpunkte in der Übungsfirma, wobei sich die traditionelle Rolle der Lehrer/innen zum Betreuer oder Coach und die der Schüler/innen zu Mitarbeiter/innen der Firma geändert hat.

Schüler/innen, die meist ein Jahr lang in der Übungsfirma arbeiten, haben nationale und internationale Geschäftskontakte, trainieren ihre Fremdsprachenkenntnisse und lernen so auch die Wirtschaftskulturen anderer Länder kennen. Nachdem Übungsfirmen nicht jedes Jahr neu gegründet werden, bleiben Geschäftskontakte zwischen den Übungsfirmen, aber mit jeweils wechselnden Mitarbeiter/innen, oft jahrelang bestehen.

Ein Meilenstein in Österreich, anerkannt im Ausland

Durch die Einführung der Übungsfirma in die Ausbildung von Schüler/innen wurde sowohl in didaktischer als auch in methodischer Hinsicht ein Meilenstein im System der berufsbildenden Schulen Österreichs gesetzt.
In den Qualifizierungsmaßnahmen der Erwachsenenbildung hatte man das schon viel früher erkannt. Seit mehr als 30 Jahren wird hier in der kaufmännischen Weiterbildung in der Übungsfirma gearbeit.
Auch im universitären Bereich ist die Übungsfrima fester Bestandteil der Ausbildung geworden (für Lehrer/innen für wirtschaftliche Fächer).

Während man in anderen Ländern neidisch nach Österreich blickt (in Relation zu seiner Größe ist Österreich eine Weltmacht am Übungsfirmenmarkt) und das österreichische Modell der Übungsfirma in viele Länder übernommen worden ist, ist man hierzulande noch etwas zögerlich, der Übungsfirma den Stellenwert zu geben, den sie hat: den Forderungen der Wirtschaft nach mehr Praxisorientierung in der kaufmännischen Ausbildung und nach Einbindung der neuesten Technologien in den Unterricht gerecht zu werden – all das wird in der Übungsfirma verwirklicht - spielerisch, aber ohne Spielerei.

Ineinandergreifen von Schule und Wirtschaft:
Die Vorbereitung für das Berufsleben

Wirtschaft und Schule erfährt hier eine Symbiose, die seinesgleichen sucht: Schüler/innen arbeiten in der Firma, sie sind für sie verantwortlich, lernen mit Geschäftspartnern, Kolleg/innen und Vorgesetzten umzugehen und erleben auch Höhen und Tiefen des kaufmännischen Lebens.

Viele Firmen wissen das und setzen auf Absolvent/innen der Übungsfirmen bei ihrer Personalsuche. Und investieren selbst: Zahlreiche Firmen unterstützen die Übungsfirmen in Österreich, mit Partnerschaftsverträgen, Know-how und Mentoring.
Absolvent/innen einer Übungsfirma finden sich beim Start ins Berufsleben schnell zurecht.
Die Arbeit in der Übungsfirma schult aber auch unternehmerisches Denken und unterstützt die Gründung eigener Unternehmen. Gleichzeitig reduziert sie das Unternehmerrisiko.
Gut ausgebildete, innovativ und kreativ agierende Unternehmer/innen werden sich mit ihren Unternehmen erfolgreicher in einer Marktwirtschaft behaupten können, die durch rasche Änderungen in Gesellschaft und Technologie gekennzeichnet ist.


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