Übungsfirma an Berufsbildenden Schulen

Wo gibt es Übungsfirmen?

  • an allen Handelsakademien und Handelsschulen, Höheren Lehranstalten für Land- und Forstwirtschaft,
  • an vielen Höheren Lehranstalten und Fachschulen für wirtschaftliche Berufe, Höheren Lehranstalten und Fachschulen für Mode und Bekleidungstechnik, Höheren Lehranstalten und Fachschulen für Tourismus, Höheren technischen Lehranstalten, Fachschulen für Landwirtschaft
  • sowie an Berufsschulen, Universitäten und in der Erwachsenenbildung

Foto: ACT-Servicestelle (BWZ der Schumpeter BHAK/BHAS Wien 13)

Ziel des Unterrichts in der Übungsfirma (meist ein halber Tag einmal in der Woche) ist die fächerübergreifende, handlungs- und problemorientierte Vermittlung des Wissens über innerbetriebliche Abläufe und der Zusammenhänge zwischen den Betrieben.
Vor allem die von den Geschäftspartnern ausgehenden Aktivitäten setzen bei den Schüler/innen Lernprozesse in Gang und bewirken ein hohes Maß an Motivation.

Hohe Praxisorientierung in der Ausbildung

Die Förderung des unternehmerischen Denkens, das Erkennen von Wirtschaftszusammenhängen, der Erwerb von Schlüsselqualifikationen und die Anwendung von Fremdsprachen sind – auf Basis der modernen Informationstechnologien – pädagogische Schwerpunkte in der Übungsfirma, wobei sich die traditionelle Rolle der Lehrer/innen zum Betreuer oder Coach und die der Schüler/innen zu Mitarbeiter/innen der Firma geändert hat.

Schüler/innen, die meist ein Jahr lang in der Übungsfirma arbeiten, haben nationale und internationale Geschäftskontakte, trainieren ihre Fremdsprachenkenntnisse und lernen so auch die Wirtschaftskulturen anderer Länder kennen. Nachdem Übungsfirmen nicht jedes Jahr neu gegründet werden, bleiben Geschäftskontakte zwischen den Übungsfirmen, aber mit jeweils wechselnden Mitarbeiter/innen, oft jahrelang bestehen.

Ein Meilenstein in Österreich, anerkannt im Ausland

Durch die Einführung der Übungsfirma in die Ausbildung von Schüler/innen wurde sowohl in didaktischer als auch in methodischer Hinsicht ein Meilenstein im System der berufsbildenden Schulen Österreichs gesetzt: 1993 erstmals im nationalen Lehrplan für Handelsschulen und 1994 für die Handelsakademien implementiert, in den darauffolgenden Lehrplänen adaptiert und aktualisiert (z.B. Übungsfirmenkonnex aller Unterrichtsgegenstände).

Auch im universitären Bereich ist die Übungsfrima fester Bestandteil der Ausbildung geworden (für Lehrer/innen für wirtschaftliche Fächer).

Während man in anderen Ländern neidisch nach Österreich blickt (in Relation zu seiner Größe ist Österreich eine Weltmacht am Übungsfirmenmarkt) und das österreichische Modell der Übungsfirma in viele Länder übernommen worden ist, ist man hierzulande noch etwas zögerlich, der Übungsfirma den Stellenwert zu geben, den sie hat: den Forderungen der Wirtschaft nach mehr Praxisorientierung in der kaufmännischen Ausbildung und nach Einbindung der neuesten Technologien in den Unterricht gerecht zu werden – all das wird in der Übungsfirma verwirklicht – spielerisch, aber ohne Spielerei.

Ineinandergreifen von Schule und Wirtschaft:
Die Vorbereitung für das Berufsleben

Wirtschaft und Schule erfährt hier eine Symbiose, die seinesgleichen sucht: Schüler/innen arbeiten in der Firma, sie sind für sie verantwortlich, lernen mit Geschäftspartnern, Kolleg/innen und Vorgesetzten umzugehen und erleben auch Höhen und Tiefen des kaufmännischen Lebens.

Viele Firmen wissen das und setzen auf Absolvent/innen der Übungsfirmen bei ihrer Personalsuche. Und investieren selbst: Zahlreiche Firmen unterstützen die Übungsfirmen in Österreich, mit Partnerschaftsverträgen, Know-how und Mentoring.
Absolvent/innen einer Übungsfirma finden sich beim Start ins Berufsleben schnell zurecht.
Die Arbeit in der Übungsfirma schult aber auch unternehmerisches Denken und unterstützt die Gründung eigener Unternehmen. Gleichzeitig reduziert sie das Unternehmerrisiko.
Gut ausgebildete, innovativ und kreativ agierende Unternehmer/innen werden sich mit ihren Unternehmen erfolgreicher in einer Marktwirtschaft behaupten können, die durch rasche Änderungen in Gesellschaft und Technologie gekennzeichnet ist.