Befähigungsnachweis

Die Gewerbeordnung unterscheidet zwischen:


1. Freie Gewerbe
2. reglementierte Gewerbe

1. Freie Gewerbe:

Ein Befähigungsnachweis (Prüfung, Schule, etc.) ist nicht erforderlich. Wer ein solches Gewerbe ausüben will, braucht nur einen Gewerbeschein zu lösen.

Bei der Beantragung einer Gewerberechtigung müssen lediglich die allgemeinen (persönlichen) Voraussetzungen erfüllt werden. Das sind:

  • Österreichische Staatsbürgerschaft oder EWR-Staatsangehörigkeit
  • Es dürfen keine Ausschließungsgründe vorliegen (z.B. Finanzstrafdelikte, gerichtliche Verurteilungen, abgewiesener Konkurs mangels Masse)
  • Volljährigkeit (mindestens 18 Jahre)

2. Reglementierte Gewerbe:

a) Handwerk

Ein Handwerk ist ein reglementiertes Gewerbe, für dessen Ausübung neben den allgemeinen (persönlichen) Voraussetzungen ein Befähigungsnachweis erforderlich ist.

Der Befähigungsnachweis kann hier auf folgende Arten erbracht werden:

  • durch eine abgelegte Meisterprüfung (einschließlich der Unternehmerprüfung)
  • durch den erfolgreichen Abschluss einer Studienrichtung an einer Universität
  • durch den erfolgreichen Abschluss einer dem betreffenden Handwerk entsprechenden Fachhochschule oder berufsbildenden mittleren/höheren Schule sowie entsprechende fachliche Praxis (meist zwei Jahre)
  • durch Zeugnisse über den Abschluss einer dem betreffenden Handwerk entsprechenden Werkmeisterschule oder Meisterschule bzw. Meisterklasse, die erfolgreich abgelegte Unternehmerprüfung und entsprechende fachliche Praxis (meist vier Jahre).

b) Reglementierte Gewerbe (Sonstige):

Hier handelt es sich um ein reglementiertes Gewerbe, für dessen Ausübung neben den allgemeinen Voraussetzungen ein Befähigungsnachweis erforderlich ist.
Den Gewerbeschein für ein reglementiertes Gewerbe bekommen Sie, wenn Sie entweder

  • eine gewisse fachliche Praxis oder
  • eine Lehrabschlussprüfung und fachliche Praxis oder einen bestimmten Schulabschluss und fachliche Praxis oder
  • eine sonstige Prüfung (z.B. Befähigungsprüfung) nachweisen können.

Wie viel Praxiszeit für ein bestimmtes Gewerbe konkret erforderlich ist, hängt von der Art des Befähigungsnachweises ab


c) Reglementierte Gewerbe mit Überprüfung der Zuverlässigkeit (Rechtskraftgewerbe):

Wenn Sie ein reglementiertes Gewerbe ausüben wollen, bei dem durch die Gewerbebehörde (Bezirkshauptmannschaft, Magistrat) Ihre Zuverlässigkeit überprüft werden muss (z.B. Baumeister, Vermögensberatung), so können Sie die Tätigkeit erst dann ausüben, wenn Sie von der Behörde einen rechtskräftigen Bescheid über Ihre Zuverlässigkeit erhalten haben.

Den Befähigungsnachweis erhalten Sie, wenn Sie

  • eine gewisse fachliche Praxis oder
  • eine Lehrabschlussprüfung und fachliche Praxis oder einen bestimmten Schulabschluss und fachliche Praxis oder
  • eine sonstige Prüfung (z.B. Befähigungsprüfung) nachweisen können.

Wieviel Praxiszeit für ein bestimmtes Gewerbe konkret erforderlich ist, hängt von der Art des Befähigungsnachweises ab.


Bei Nichterbringen des Befähigungsnachweises besteht die Möglichkeit:

1. Bestellung eines gewerberechtlichen Geschäftsführers
Der gewerberechtliche Geschäftsführer wird von dem Gewerbeinhaber oder der Gewerbeinhaberin unter Erteilung selbstverantwortlicher Anordnungsbefugnis eingesetzt und ist für die Einhaltung der gewerberechtlichen Vorschriften verantwortlich.

Er oder sie muss:

  • den für die Ausübung des Gewerbes vorgeschriebenen persönlichen Voraussetzungen entsprechen,
  • ein zur Vertretung nach außen berufenes Organ der Gesellschaft oder voll sozialversicherungspflichtiger Arbeitnehmer bzw. voll versicherungspflichtige Arbeitnehmerin im Ausmaß von 20 Stunden sein und
  • der Erteilung der selbstverantwortlichen Anordnungsbefugnis und seiner oder ihrer Bestellung nachweislich zugestimmt haben.

Sollte der formelle Befähigungsnachweis nicht erbracht werden können, hat die Gewerbebehörde das Vorliegen der individuellen Befähigung festzustellen. Die für die jeweilige Gewerbeausübung erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen können durch beigebrachte Beweismittel nachgewiesen werden.


2. weitere Möglichkeiten
Können weder der formelle noch der individuelle Befähigungsnachweis erbracht werden, bestehen folgende Möglichkeiten, eine an einen Befähigungsnachweis gebundene Tätigkeit auszuüben:

  • Volle Supplierung
    Durch die volle Supplierungsmöglichkeit ist die Ausübung eines Gewerbes auch dann möglich, wenn der Befähigungsnachweis nicht erbracht werden kann. Es muss in diesem Fall muss ein gewerberechtlicher Geschäftsführer bestellt werden. Dadurch ist der Zugang zum Gewerbe auch dem Einzelkaufmann und der Einzelkauffrau möglich.
  • Gewerbeausübung in Form eines Industriebetriebs
    Das Vorliegen eines Industriebetriebs wird von der Gewerbebehörde geprüft. Typische Merkmale eines solchen sind z.B. hoher Einsatz von Maschinen und technischen Einrichtungen, Serienfertigung sowie standardisierte Arbeitsabläufe
  • Anzeige eines integrierten Betriebes
    Gewerbetreibende dürfen Tätigkeiten eines reglementierten Gewerbes in ihren Betrieb einbeziehen, wenn dies im Rahmen eines Gewerbebetriebes erfolgt. In diesem Fall muss der Unternehmer oder die Unternehmerin jedoch einen Arbeitnehmer oder eine Arbeitnehmerin hauptberuflich und voll sozialversicherungspflichtig beschäftigen, der bzw. die den fachlichen Teil der Befähigungsprüfung für dieses Gewerbe abgelegt hat.
  • Gründung einer Gesellschaft

Je nach Art des Gewerbes sind unterschiedliche Befähigungsnachweise erforderlich. Es können Prüfungen, schulische Ausbildungen, Praxiszeiten oder Kombinationen daraus vorgeschrieben sein.
Dieser Befähigungsnachweis muss je nach Rechtsform des Unternehmens von unterschiedlichen Personen erbracht werden.

Bei Gesellschaften muss der Befähigungsnachweis vom gewerberechtlichen Geschäftsführer erbracht werden.

Nur mehr für 10% aller Gewerbe ist ein eigener Befähigungsnachweis notwendig. Diese sind in der Gewerbeordnung aufgezählt.