Gewerbeberechtigung – Allgemeine Informationen

Bei Eröffnung bzw. Übernahme eines Betriebes gibt es zahlreiche gewerberechtliche Fragen: In welches Gewerbe fällt die geplante Tätigkeit? Brauche ich einen Befähigungsnachweis? Wie komme ich zur Gewerbeberechtigung? Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen?
Für jede gewerbliche Tätigkeit benötigen Sie eine Gewerbeberechtigung, die von der Gewerbebehörde ausgestellt wird. Gewerbemäßigkeit ist dann gegeben, wenn Sie eine Tätigkeit selbstständig, regelmäßig und in Ertragsabsicht durchführen wollen.

Welche Gewerbe gibt es?

Die Gewerbeordnung 1994 kennt Tätigkeiten, für die der Unternehmer einen Befähigungsnachweis
erbringen muss und solche, für deren Ausübung kein Befähigungsnachweis erforderlich ist. Befähigungsnachweispflichtige Gewerbe werden reglementierte Gewerbe genannt. Die Tätigkeiten, für deren Ausübung kein Befähigungsnachweis erforderlich ist, heißen freie Gewerbe.


Die folgende Tabelle gibt Aufschluss darüber, ab wann man bei welchem Gewerbe tätig werden darf:

Art des Gewerbes Ausübungsbeginn
Freie Gewerbe mit Gewerbeanmeldung
Teilgewerbe mit Gewerbeanmeldung
Reglementierte Gewerbe mit Gewerbeanmeldung
Reglementierte Gewerbe (Rechtskraftgewerbe) mit Erteilung des rechtskräftigen Bescheides der Gewerbebehörde

Die Liste der Freie Gewerbe erhebt nicht den Anspruch, alle überhaupt denkbaren freien Gewerbe anzuführen. Dem Ideenreichtum findiger Unternehmer wird daher durch diese Liste keine Grenze gesetzt. Bei der „Erfindung“ weiterer freier Gewerbe ist allerdings darauf zu achten, dass nicht in Tätigkeiten eingegriffen wird, die einem Reglementierte Gewerbe vorbehalten sind.


1. Welche Gewerbeberechtigung ist erforderlich?

Welche Gewerbeberechtigung Sie benötigen, hängt von der geplanten bzw. ausgeübten Tätigkeit ab. Aus dem Tätigkeitsprofil muss eruiert werden, welches Gewerbe diese Tätigkeiten beinhaltet. Bei vielen typischen Tätigkeiten (Handwerke, Handel, Gastronomie) wird sich dies leicht feststellen lassen. Aber nicht in jedem Fall ist die Zuordnung auf den ersten Blick möglich.

Die Gewerbeordnung kennt drei Arten von Gewerben:
reglementierte Gewerbe und Teilgewerbe, die an einen Befähigungsnachweis gebunden sind, sowie freie Gewerbe, die an keinen Befähigungsnachweis gebunden sind.

Die nachfolgend angeführten allgemeine (persönlichen) Voraussetzungen sind auch bei der Ausübung eines jeden Gewerbes zu erfüllen:

  • Eigenberechtigung (Vollendung des 18. Lebensjahres, volle Geschäftsfähigkeit)
  • Österreichische Staatsbürgerschaft, EU-(EWR-)Staatsangehörigkeit, Angehörige anderer Staaten müssen über einen Aufenthaltstitel in Österreich verfügen, der die Ausübung einer selbstständigen Erwerbstätigkeit zulässt.
  • Keine gerichtliche Verurteilung wegen betrügerischer Krida, Schädigung fremder Gläubiger, Begünstigung eines Gläubigers oder grob fahrlässiger Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen; keine gerichtliche Verurteilung wegen einer sonstigen strafbaren Handlung zu einer drei Monate übersteigenden Freiheitsstrafe oder zu einer Geldstrafe von mehr als 180 Tagessätzen, solange die Verurteilung nicht getilgt ist.
  • Keine Verurteilung wegen eines Finanzvergehens in den letzten fünf Jahren.
  • Keine Konkursabweisung mangels eines zur Deckung der Kosten des Verfahrens ausreichenden Vermögens für den Zeitraum, in dem in der Insolvenzdatei Einsicht in den genannten Insolvenzfall gewährt wird.
  • Keine Entziehung der Gewerbeberechtigung durch Gerichtsurteil.
  • Ein geeigneter Betriebsstandort muss vorhanden sein, die Gewerbeausübung muss an diesem zulässig sein.

2. Der Befähigungsnachweis

Lediglich für reglementierte Gewerbe oder Teilgewerbe ist auch ein Befähigungsnachweis zu erbringen. Wenn Sie den formell geforderten Befähigungsnachweis nicht erbringen können, besteht die Möglichkeit, um Feststellung der individuellen Befähigung anzusuchen. Auch die Bestellung eines gewerberechtlichen Geschäftsführers, der über die geforderte Befähigung verfügt, ist möglich.


3. Die Betriebsanlagengenehmigung

In manchen Fällen ist für die Ausübung einer gewerblichen Tätigkeit neben der entsprechenden Gewerbeberechtigung auch noch eine Betriebsanlagengenehmigung erforderlich. Sie ist bei der Bezirksverwaltungsbehörde dann zu beantragen, wenn vom Betrieb nachteilige Auswirkungen ausgehen können (z. B. Lärm, Schadstoffe, Geruch, Staub, Erschütterungen).

Auf eine tatsächliche Gefährdung oder Belästigung kommt es dabei nicht an. Schon die theoretische Möglichkeit einer Gefahr oder Störung macht die Betriebsanlagengenehmigung notwendig.


4. Die Gewerbeanmeldung

Die Gewerbeanmeldung ist bei der für den Standort des Betriebes zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde vorzunehmen. Das ist die Bezirkshauptmannschaft, der Magistrat oder das magistratische Bezirksamt.

Wenn Sie bei der Anmeldung alle Voraussetzungen erfüllen, dann können Sie sofort zu arbeiten beginnen. Nur bei einigen speziellen Gewerben darf erst mit Rechtskraft des Erteilungsbescheides mit der Gewerbeausübung begonnen werden.
Die Gewerbeanmeldung kann bei vielen Behörden bereits online durchgeführt werden.

Die Gewerbeanmeldung der Übungsfirmen zur ACT Gewerbebehörde erfolgt nur online.