Wirtschaftsunterricht einmal anders

Technisch-wirtschaftliche Berufsfelder von HTL-Absolvent/innen:

  • Basis für Kalkulation und Preispolitik (Richtwerte für Preisgestaltung, Ermittlung von Preisuntergrenzen)
  • Basis für Periodenerfolgsrechnung (Umsatzkosten-, Gesamtkosten- und Mischkostenverfahren)
  • Basis für die Ermittlung der Herstell- und Herstellungskosten (kostenrechnerische und bilanzielle Wertansätze für Halbfabrikate, Fertigfabrikate und selbst erstellte Anlagen und Betriebsmittel)
  • Lieferung von Daten für alle Entscheidungsrechnungen (Verfahrens- und Losgrößenwahl, Produktionsprogrammplanung, Investitionsplanung, Unternehmensbewertung, Isogewinnkurven, Eigenfertigung versus Fremdbezug, optimale Maschinenzuordnung usw.)
  • Kontrolle der Wirtschaftlichkeit und Ermittlung der konkreten Ursachen für Abweichungen (Abweichungsanalyse – Mengen-, Preis-, Intensitäts- und Losgrößenabweichung)
  • Betriebsabrechnungsbogen (BAB) (Kosten richtig ermitteln, verursachungsgemäß verteilen, Zuordnung von variable und fixe Kosten, Kalkulationssätze, Abweichungsarten)
  • Innerbetriebliche Leistungsverrechnung

2. Kalkulation (Vorkalkulation, Nachkalkulation, Deckungsbeitrag, Break-even-Analyse)

3. Kostengünstiges Entwickeln und Konstruieren

4. Arbeitsvorbereitung (Arbeitsplanung, Zeitkalkulation, Fertigungsunterlagen, Materialbedarfermittlung

5. Produktionsplanung und Steuerung

6. Qualitätsmanagement

7. Projektmanagement (Vorbereitungsmöglichkeit für die Diplomarbeit)


Warum Übungsfirma im HTL Unterricht?

Die Übungsfirma ist einerseits ein fiktiver Betrieb bzw. eine Unternehmenssimulation und andererseits ein Lernort und gleichzeitig eine Lernmethode. Hier soll für die Schülerinnen und Schüler als Grundcharakteristikum des Lernens die Verbindung von Denken und Handeln im Sinne der Handlungsorientierung (Theorie und Praxis) Realität sein.

Die praxisbezogene und projektorientierte Ausbildung im technischen Bereich wird von inländischen und ausländischen Unternehmen im hohen Maße gewürdigt und akzeptiert.
Mit dem Ausbildungskonzept Übungsfirma bietet sich auch in der Wirtschaftsausbildung einer HTL ein Instrument zur praxisbezogenen Wissensvermittlung.

Wirtschaftsgegenstände sind bei den HTL Schülerinnen und Schüler nicht sehr beliebt. Die Erfahrungen mit einer Übungsfirma in der Wirtschaftsausbildung zeigt, dass die Schülerinnen und Schüler mit dieser Lernmethode – learning by doing – eine weit größere Motivation für wirtschaftliche Themen aufweisen.


Welche Inhalte im Übungsfirmenunterricht?

Die breite Ausbildungspalette an den technischen Schulen und die daraus resultierende unterschiedliche Tiefe der wirtschaftlichen Ausbildung lassen einen eindeutigen Lehrplan nicht zu.
Die notwendigen wirtschaftlichen Inhalte gehen auch aus einer Umfrage bei österreichischen Unternehmen hervor:

1. Kostenrechnung als ein Preisbildungs- , Entscheidungs- und Kontrollinstrument, welches wichtige Grundlagen für die Planung und Steuerung eines Unternehmens liefert.
Diese entscheidungsorientierte Kosten-, Leistungs-, Erlös- und Ergebnisrechnung hat viele Aufgaben zu erfüllen.
Die wichtigsten sind:

Beschaffung Kalkulation, Deckungsbeitragsrechnung usw.
Entwicklung, Konstruktion Kostenentstehung, Festlegung der Kosten im Konstruktionsprozess, Einflüsse der Herstellkosten, Maßnahmen zur Kostensenkung usw.
Angebotserstellung Kalkulation usw.
Arbeitsvorbereitung Grundbegriffe Abrechnungssysteme, Kalkulation, Arbeitsplanung mit Zeitmanagement, Arbeitssteuerung usw.
Planung Investitionsrechnung, Rationalisierung, Wirtschaftlichkeitsrechnung usw.
Qualitätsmanagement ständige Verbesserungsprozesse, QM und Qualitätssicherung, Deming Management–Programm, Managementwerkzeuge, Statistik usw.
Produktion Produktions- und Kostentheorie, Produktionsprogrammplanung, Bereitstellungsplanung, Durchführungsplanung usw.

Die Frage, ob es genügt, diese Lehrinhalte unseren Schüler/innen nur theoretisch zu vermitteln, beantworten die Unternehmen (siehe Zitat aus der Wirtschaft).
Die Schüler/innen, die in den technischen Gegenständen gewöhnt sind, Theorie und Praxis verknüpft vermittelt zu bekommen, und den Wirtschaftsgegenständen eher mit gemischten Gefühlen begegnen, haben damit einen Zusatzgrund für ihre distanzierte Haltung zu diesem Bereich.